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Infos für pflegende Angehörige

Hier finden Sie Informationen, die im Alltag für pflegende Angehörige interessant sind.


Flüssigkeitsversorgung

Sorgen Sie für eine ausreichende Flüssigkeitsversorgung Ihres Angehörigen

Mit zunehmendem Alter nimmt das Durstgefühl ab, das führt dazu, dass ältere Menschen nicht mehr in der Lage sind, einen Flüssigkeitsmangel adäquat auszugleichen. Dehydratation (Mangel an Körperwasser) und Exsikkose (Austrocknung des Körpers) gehören zu den zehn häufigsten Diagnosen bei einer Krankenhausaufnahme. Wasser ist mit 50 – 60% der Hauptbestandteil unseres Körpers und ist für uns ein lebenswichtiges Nahrungsmittel. Täglich verliert der Körper jedoch eine beachtliche Menge an Wasser durch Ausscheidungen und über die Haut. Störungen des Wasser- und Mineralhaushaltes können zu erheblichen Beeinträchtigungen von Körperfunktionen bis hin zum Tod führen.

(1) Anzeichen einer Dehydratation

Stellen Sie in regelmäßigen Abständen durch gezielte Fragen und einer körperlichern Inspektion fest, ob Ihr Angehöriger dehydrationsgefährdet ist. Eine Gefahr bzw. eine Dehydratation besteht, wenn Sie Folgendes erkennen:

Die Haut lässt sich in einer Falte abheben und bleibt stehen.
Die Haut und die Schleimhäute sind trocken.
Der Patient hat einen niedrigen Blutdruck und eine Tachykardie.
Er klagt über Obstipation.
Der Urin ist dunkelgelb und von geringer Menge.
Der Patient neigt zu Schwindel, klagt über Schwäche oder ist lethargisch.
Er weiß nicht, wie viel er am Tag trinkt.
Er hat sein ganzes Leben lang eher wenig getrunken.
Er leidet unter einer Schluckstörung.
Er ist körperlich und/oder geistig nicht in der Lage, sich selbst ein Trinkgefäß zu nehmen.
Er hat einen erhöhten Flüssigkeitsverlust, z. B. durch Diarrhö oder Fieber.

(2) Wie hoch ist der Flüssigkeitsbedarf bei jedem gefährdeten Pflegekunden.

Der Flüssigkeitsbedarf leitet sich ab vom Körpergewicht. Wenn dieses nicht bekannt ist, sollte es geschätzt werden. Der normale Flüssigkeitsbedarf pro Tag liegt zwischen 30 – 45ml pro kg Körpergewicht. Ausschlaggebend für die Wahl der Berechnungsgrundlage (30, 35, 40, 45ml) ist der Hautzustand des Patienten (Hautfaltentest). Dadurch ist eine individuelle Berechnung der täglichen Flüssigkeitsmenge möglich.

Beispiel: 70kg/KG x 30ml/kg/KG = 2100ml

oder

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) und der MDK empfehlen folgende Berechnung:
Beispiel: Person mit 70 kg
100 ml/kg für die ersten 10 kg Körpergewicht 1.000 ml
50 ml/kg für die zweiten 10 kg Körpergewicht 500 ml
15 ml für jedes weitere Kilogramm Körpergewicht 750 ml
2.250 ml/Tag

Zur Berechnung der Trinkflüssigkeitsmenge müssen Sie den Flüssigkeitsanteil der Nahrung abziehen. Bei einer üblichen Nahrungszusammensetzung kann von einem Wasseranteil von 0,33 ml/kcal ausgegangen werden. Nimmt die 70 kg schwere Person 1.800 kcal zu sich, dann sind danach 594 ml Wasser enthalten. Um eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu haben, müsste diese Person jetzt noch ca. 1.650 ml trinken.

Beachten Sie, dass durch Erkrankungen wie Nieren- und Herzinsuffizienz oft eine geringere Flüssigkeitszufuhr angeordnet ist. Fieber, gesteigerte körperliche Aktivität, Diarrhö ... dagegen erhöhen den Flüssigkeitsbedarf und müssen entsprechend im Trinkplan mit berücksichtigt werden.

(3) Beispiel für einen Trinkplan.

So könnte ein Trinkplan aussehen, den Sie für Ihren Angehörigen nur noch individualisieren müssen:
Trinkplan
zum Frühstück 1 Glas Milch + 1 Tasse Kaffee/Tee
oder 1 Glas Saft + 1 Tasse Kaffe/Tee 350 ml
zum Vormittag 2 Gläser Buttermilch, Gemüsesaft, verdünnter Fruchtsaft oder Mineralwasser 400 ml
zum Mittagessen 1 Glas Mineralwasser oder verdünnter Fruchtsaft 200 ml
am Nachmittag 1 Tasse Kräuter-, Früchtetee und
1 Glas Buttermilch, verdünnter Fruchtsaft 350 ml
zum Abendessen 1 Glas Mineralwasser 200 ml
und zur Nacht gelegentlich auch Bier oder Wein
GESAMT
(1 Tasse = 150ml, 1 Glas = 200 ml) 1.500 ml

(4) Schöpfen Sie alle Tipps zur Sicherung einer ausreichenden Trinkmenge aus

Bringen Sie die bevorzugten Getränke Ihres Angehörigen in Erfahrung.
Benutzen Sie geeignete, vom Angehörigen bevorzugte Trinkgefäße. Schnabeltassen sind häufig nicht geeignet, da bei ihnen die Flüssigkeit ungehindert in den Mund fließen kann.
Stellen Sie eingeschenkte Getränke immer in Reichweite.
Füllen Sie das Trinkgefäß nicht bis zum Rand, da die Betroffenen dann Angst vor dem Verschütten haben.
Versuchen Sie es mit einem Strohhalm
„Flaschenbatterien“ wirken eher abschreckend.
Bieten Sie regelmäßig, z. B. stündlich, etwas zu trinken an. Gegebenenfalls ist das Stellen eines „Trinkweckers“ sinnvoll.
Wechseln Sie zwischen den verschiedenen Getränken ab. Fünf Wochen hintereinander Pfefferminztee schreckt wahrscheinlich auch seinen größten Anhänger ab.
Trinken Sie gemeinsam mit dem Angehörigen, denn Gesellschaft kann motivierend sein.
Anbieten von Eis, Götterspeise, Obst und Gemüse, Joghurt, Quark, Griesbrei usw.
Trinknahrung als Ergänzung zur normalen Ernährung z. B. Fresubin ProvideXtra
Eindicken von Flüssigkeiten bei Schluckstörungen (Dysphagie) z. B. Thick&Easy

(5) Überprüfen Sie mit einem Trinkprotokoll oder einer Ein- und Ausfuhrbilanz die tatsächliche Trinkmenge bzw. die Einfuhr im Verhältnis zur Ausfuhr.
Das einfachste Kontrollinstrument ist das Trinkprotokoll. Es wird in den meisten Fällen ausreichen. Als Angehöriger sind Sie aufgefordert, alles, was in 24h getrunken wurde, aufzuschreiben. Dafür können Sie ein separates Blatt benutzen oder im Trinkplan abhaken oder ergänzen.
Eine Ein- und Ausfuhrbilanz ist aufwendiger. Dabei wird die Einfuhr in das Verhältnis zur Ausfuhr gesetzt. Für ein korrektes Ergebnis müssen z. B. auch Flüssigkeitsverluste durch Schwitzen, Stuhlgang oder Drainagen bedacht werden.

(6) Was gibt es noch für Möglichkeiten, wenn der Patient die Trinkmenge auf Dauer nicht erreicht.
Es wird Situationen geben, in denen es trotz aller Anstrengung nicht gelingt, dass Ihr Angehöriger die notwendige Flüssigkeitsmenge zu sich nimmt oder nehmen kann. Jetzt müssen alle Verantwortlichen gemeinsam über das weitere Vorgehen beraten. Infrage kommen eine

Infusionstherapie über eine periphere Verweilkanüle oder einen Port
oder die Anlage einer PEG.

Entscheidend ist, dass immer das Wohl des Betroffenen an erster Stelle steht.

Pflegeversicherungsreform

Das Pflege-Weiterentwicklungsgesetz PfWG (gültig ab 01.07.2008)

Insgesamt stellt das Gesetz eine strukturelle Weiterentwicklung der Pflegeversicherung dar.
Die Situation der Pflegebedürftigen wird in den Mittelpunkt gerückt.
Durch die Reform wurde insbesondere der Grundsatz "ambulant vor stationär" gestärkt.
Die Präventions- und Rehabilitationsanstrengungen werden stärker unterstützt und auf die individuellen Bedarfe ausgerichtet.
Der besondere Hilfe- und Betreuungsbedarf Demenzkranker wird stärker berücksichtigt.